Rui Biagini, Schutzpatron der Kinder

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25. November 2021 – Der Politikwissenschafter Rui Biagini, Vater von drei Buben, engagiert sich dafür, dass auch die Kleinsten optimal gegen Corona geschützt werden. Trotz Widerstands der Schulpflege gelang es dank des Engagements der Lehrerschaft, im Schulhaus Rüterwis CO2-Sensoren zur Überwachung der Luftqualität zu installieren.

25. November 2021 – Der Politikwissenschafter Rui Biagini, Vater von drei Buben, engagiert sich dafür, dass auch die Kleinsten optimal gegen Corona geschützt werden. Trotz Widerstands der Schulpflege gelang es dank des Engagements der Lehrerschaft, im Schulhaus Rüterwis CO2-Sensoren zur Überwachung der Luftqualität zu installieren.

Rui Biagini mit CO2-Sensor
Rui Biagini beim Messen der Kohlendioxid-Konzentration (Fotos: bl)

Kaum hat Rui Biagini das Café am Puls auf dem Zollikerberg betreten und an einem Tisch neben dem Fenster Platz genommen, holt er seinen CO2-Sensor aus dem Rucksack. Dieses Gerät misst die Kohlendioxid-Konzentration der Raumluft, die Rückschlüsse auf die vorhandene Menge an Aerosolen zulässt und damit auf das Risiko, sich bei einer erhöhten Virenkonzentration mit Corona zu infizieren.

Ab 800 ppm werde es kritisch, erläutert Biagini, über 1200 ppm befinde man sich im roten Bereich. Den 540 ppm, die sein Sensor zunächst angibt, traut er noch nicht über den Weg: «Das sind noch die Nachwirkungen der Frischluft draussen.» Also behält er seine FFP2-Maske auf. Und prompt steigt der Wert kontinuierlich an: 600, 700, 800. Nach einer Dreiviertelstunde hat er 1413 ppm erreicht.

Jetzt wird Biagini aktiv: er öffnet eine der grossen Türen des Cafés und erzielt innert weniger Minuten eine deutliche Besserung: 521 ppm. Eine beeindruckende Demonstration. Kostenpunkt des portablen Geräts: 230 Franken. Das sei allerdings der «Ferrari unter den CO2-Sensoren», in Schulen müsse man nur mit 100 Franken pro Stück rechnen.

Gefühl der Ohnmacht

Schulen. Damit sind wir bei dem Thema, das den 47-jährigen Vater dreier Buben im Alter von 4, 8 und 10 Jahren seit geraumer Zeit umtreibt. Den ersten Lockdown, der noch mit vollständigen Schulschliessungen einherging, fand er angemessen. Die Infektionszahlen gingen denn auch massiv zurück, das Problem schien gelöst und wichtige Präventionsmassnahmen waren erprobt: radikale Kontaktbeschränkungen.

Dann kam der Oktober, die Schulen waren wieder geöffnet, die Temperaturen sanken, und gleichzeitig schossen die Zahlen in die Höhe. An schlimmen Tagen infizierten sich in der Schweiz mehr als 10’000 Menschen. Rui Biagini sass daheim und wurde von einem Gefühl der Ohnmacht ergriffen: «Warum macht denn niemand etwas?», habe er sich gefragt. Keine Schulschliessungen, von einem Lockdown ganz zu schweigen.

Längst hatte er in der Fachliteratur gelesen, dass Kinder entgegen anderslautender Informationen genauso ansteckend seien wie Erwachsene und ebenfalls von schweren Verläufen betroffen sein können: «In den USA sind inzwischen 700 Knaben und Mädchen an Covid 19 gestorben, in Brasilien Tausende.» Er informierte sich über Massnahmen, die weniger ins soziale Leben der Menschen eingriffen als Schliessungen, aber dennoch als wirksam galten. Für Schulen stiess er auf Masken, Pool-Testen, Luftfilter – und auf CO2-Sensoren.

Er hielt sie für eines der geeignetsten Hilfsmittel, und so begann er, sich ab Januar 2021 in seinem Wohnort Zollikerberg für deren Installation im Schulhaus Rüterwis einzusetzen. Die Schulleitung bewilligte ihm einen Pilotversuch mit fünf Sensoren. Der Elternrat unterstützte ihn.

Schulpflege stellte sich quer

Doch dann bekam die Schulpflege davon Kenntnis. Biagini hatte um den Zugang zum schulinternen WLAN gebeten, um den Pilotversuch evaluieren zu können – erfolglos. «Ich war chancenlos», sagt er. Auch sein Wiedererwägungsantrag, den er persönlich vor der Schulpflege begründete, sei erneut «rundherum abgeschmettert» worden.

Rui Biagini am Telefon
Rui Biagini: Kein Draht zur Schulpflege

Fragt man Schulpflegepräsidentin Corinne Hoss-Blatter, warum sich das Gremium derart klar gegen den Vorschlag ausgesprochen habe, nennt sie verschiedene Gründe. Zum Einen sei man überzeugt, dass das einmalige fünfminütige Lüften pro Lektion ausreiche; die CO2-Sensoren habe man bloss als «weiteres Gadget im Schulzimmer» betrachtet, das nicht gebraucht werde. Erfahrungen in anderen Schulen zeigten, dass zahlreiche Lehrer die Sensoren gar nicht beachteten. Dafür sei aber die Sorge geäussert worden, dass sich die Kinder nicht mehr auf den Unterricht, sondern nur noch auf das Gerät konzentrieren würden und zu schwatzen begännen. Und es sei gefragt worden, was denn passieren solle, wenn der Sensor bereits nach fünf Minuten angebe und dann plötzlich Forderungen nach Schulhaus-Sanierungen laut würden.

Lehrerschaft intervenierte

Als die Lehrerschaft vom ablehnenden Entscheid der Schulpflege erfuhr, gelangten zahlreiche Lehrpersonen an Biagini und drängten auf die definitive Installation der Sensoren; sie hätten von ihren «Pilot»-Kollegen erfahren, wie effizient und nützlich die Geräte seien.

Biagini, der lange Zeit als Fundraiser für Non-Profit-Organisationen wie Amnesty International und Greenpeace gearbeitet hatte, liess sich nicht lange bitten. Innert Kürze hatte er eine Spenderin gefunden, die die benötigten 1600 Franken bezahlte und damit den Einbau von rund 20 Geräten im Schulhaus Rüterwis ermöglichte. Ihre Motivation war ihre Dankbarkeit für das tägliche Engagement der Lehrer im Rüterwis, das sie als Mutter erfahren hatte.

Im Schulhaus Oescher im Dorf gilt eine andere Regelung: Man beschränkt sich dort weiterhin auf das einmalige Lüften pro Lektion, ausgelöst durch einen Gong, und das wöchentliche Pool-Testen, was Biagini als «durchaus wichtige Massnahme» anerkennt.

Gründung von «Protect the Kids»

Bereits als die ersten Impfstoffe zugelassen wurden, realisierte er, dass die Kinder erst ganz zuletzt an die Reihe kommen würden. Er sagt: «Solange es in den Schulen keine ausreichenden Schutzmassnahmen gibt und für die Kinder kein Impfangebot besteht, sind die Knaben und Mädchen  dem Virus ausgeliefert.» Er verstehe nicht, warum sich die Behörden nicht stärker engagierten.

Als er davon las, dass andere Eltern vor denselben Problemen standen, setzte er einen Twitter-Aufruf ab. Daraus entstand die Bewegung «Protect The Kids». Mehr als mittlerweile 70 Leute aus der ganzen Schweiz schlossen sich ihm an und setzen sich für Schutzmassnahmen an den Schulen und für ein baldmögliches Impfangebot für die unter 12-Jährigen ein – notfalls auch in Form von «off-label»-Impfungen.

Politisches Engagement

Rui Biagini war schon immer ein politisch interessierter Mensch. Deshalb trat er auch bald nach deren Gründung der grünliberalen Partei bei, blieb aber passiv. Den Schritt zum Aktivisten, der sich auch in der Öffentlichkeit exponiert, in den Medien äussert und Kampagnen lanciert, hat er erst im Zuge der Pandemie getan: «Ich wollte einfach etwas tun», sagt er, «damit ich meinen Söhnen eines Tages sagen kann, dass ich mindestens alles in meiner Macht Stehende probiert habe.» Heute ist er Mitglied des Vorstands der GLP Küsnacht/Zollikon.

Fragt man ihn, wie seine Frau auf sein Engagement reagiere, sagt er: «Inhaltlich sind wir voll und ganz auf derselben Linie; sie hat allerdings zur Bedingung gemacht, dass ich die Familie aussen vorlasse und weder sie noch die Buben exponiere.» Folgerichtig lehnte er auch die Anfrage der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens ab, die einen Beitrag über ihn – und seine Familie drehen wollte. (bl)

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