Ursula Schneider: 80 und kein bisschen leise

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9. März 2022 – Ursula Schneider vom Zollikerberg hat überhaupt keine Lust, die Hände in den Schoss zu legen. Nachdem sie 20 Jahre lang Hilfsaktionen in Rumänien mitorganisierte, steht sie nun in der Küche vom Café am Puls und sorgt mit für das Wohl der Gäste.

Porträt Ursula Schneider
Ursula Schneider (Foto: bl)

Irgendwie muss es in der Familie liegen. Schon ihre Grossmutter und ihre Mutter seien bis ins hohe Alter aktiv gewesen, sagt Ursula Schneider, und so sei es für sie «völlig normal», dass auch sie mit gut 80 Jahren immer noch anpacke und mitarbeite, wo Bedarf bestehe und sie einen Beitrag leisten könne.

Zur Zeit ist es das Café am Puls direkt neben der reformierten Kirche im Zollikerberg, das fast ausschliesslich von Freiwilligen betrieben wird. Ursula Schneider ergänzt das Team einmal pro Woche an einem Nachmittag. Dann hilft sie in der Küche beim Rüsten von Gemüse, sorgt für den Abwasch, putzt das Gröbste und bringt oft noch eine Fruchtwähe mit.

Dass sie sich in die Küche zurückzieht und nicht im Service tätig ist, wo man sich die kontaktfreudige Frau gut vorstellen könnte, hat nachvollziehbare Gründe: «Im Café wäre ich ständig am Quatschen», lacht sie, «weil ich doch Hinz und Kunz kenne.» Auch in der Küche herrsche eine muntere Atmosphäre, sie geniesse den Austausch mit der Köchin und anderen Kolleginnen. Wenn sie dann vier Stunden ununterbrochen auf den Beinen gewesen sei, spüre sie ihr Alter schon ein wenig: «Um 17 Uhr bin ich auf den Felgen.»

Hilfskonvois nach Rumänien

Vor der Zeit im Café am Puls hatte Ursula Schneider mit ihrem Mann Urs und anderen die sogenannten Rumänien-Projekte initiiert und durchgeführt. Im Jahr 2002, das Ehepaar Schneider leistete Freiwilligenarbeit im Chramschopf, lernte Ursula dort eine Frau mit einem besonderen Anliegen kennen. Sie wollte wissen, ob es Dinge gebe, die sich nicht verkaufen liessen. Diese würde sie gern mit einem Hilfskonvoi nach Rumänien transportieren. Bereits einmal sei ein schwer beladener 40 Tonnen-Lastwagen in die bitterarme Gemeinde Cleja im Nordosten Rumäniens gefahren und habe den Menschen dringend benötigte Hilfsgüter des täglichen Lebens gebracht.

Ursula Schneider hielt diese Aktion für eine gute Sache. Nicht nur überliess sie der Kundin unverkäufliche Chramschopf-Artikel und half beim Beladen des Lastwagens. Nein, gemeinsam mit anderen reiste sie selber mit dem Flugzeug nach Bukarest. In den nächsten Tagen hielt sie sich in Cleja auf und sorgte mit dafür, dass alle inzwischen eingetroffenen Waren verteilt wurden. Sie konnte beim Pfarrer essen und übernachtete in einem Haus ohne Wasser.

Als man ihr die Schulen des Ortes zeigte, insgesamt vier für mehr als 900 Knaben und Mädchen, realisierte sie, dass der Wassermangel generell ein gravierendes Problem für die Menschen dieser Gegend war. Es gab keine Wasserversorgung; dazu fehlten Toiletten mit Spülung.

Zurück in der Schweiz beschloss sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und einer Kollegin, von hier aus Hilfe zu organisieren. Sie planten zwei Toiletten-Häuschen mit Duschanlagen für die Schulhäuser von Cleja, letztlich wurden es dann drei. Es gelang dem Dreierteam, in seinem grossen Freundes- und Bekanntenkreis mehr als 400’000 Franken an Spenden aufzutreiben. Bei der Übergabe der Häuschen an die Schulgemeinde waren die beiden Schweizerinnen vor Ort. «Wir freuten uns riesig, dass alles so gut geklappt hatte», sagt Ursula Schneider.

Insgesamt vier Rumänien-Reisen

Doch damit nicht genug. Ab 2011 reisten sie und ihr Mann Urs, ursprünglich Orthopäde mit eigener Praxis in Zürich, mehrmals nach Cleja und setzten ihre Hilfstätigkeit fort. Während zehn Jahren engagierten sie sich für die neuro-psychiatrische Klinik in Racaciuni mit rund 250 Patienten, der es damals an allem fehlte. Angefangen bei Betten und Decken über Trinkwasser, eine zeitgemässe Heizungsanlage und Kücheneinrichtung bis hin zu Werkzeug für den Landwirtschafts-Betrieb.

Nach vier Rumänien-Reisen, bei denen es Schneiders auch darum ging, die mit zusätzlichen knapp 300’000 Franken Spendengeld aus der Schweiz finanzierten Projekte zu kontrollieren, haben die Eheleute ihr Engagement vergangenes Jahr nun beendet. Rumänien sei zwar immer noch ein armes Land, sagen sie, dank grosszügiger Spenden sei es jedoch gelungen, ein bisschen Glück dorthin zu bringen und im Kleinen auch einiges zu bewirken.

Ursula Schneider nimmt einen Schluck Kaffee. Sie sieht nachdenklich aus, wenn sie sagt, dass sie sich in der Schweiz – verglichen mit Rumänien – «wie im siebten Himmel» fühle: «Ich habe doch hier alles und bin hochprivilegiert.» Da empfinde sie es als Selbstverständlichkeit, anderen Menschen, die nicht so viel Glück hätten, in Form ihres sozialen und finanziellen Engagements etwas abzugeben. Zurückbekommen habe sie mehr als genug: Sie habe viele wunderbare Menschen getroffen und unglaublich viel Neues gelernt.

Solange sie Kraft habe und ihren Kopf beieinander, lacht sie, werde sie weiterhin aktiv sein: «Nur daheimsitzen und Däumchen drehen – das entspricht nicht meinem Naturell.» (bl)

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Ich als die Schwester von Ursula Schneider kann diesem Bericht voll und ganz zustimmen. Das ist meine über alles geliebte Schwester wie sie leibt und lebt. Ich wünsche ihr noch viele so erlebnisreiche, erfreuliche sowie gesunde Lebensjahre! Ich geniesse immer wieder aufs Neue den innigen Kontakt mit ihr und ihrer Familie, ist sie doch stets für mich da und unterstützt mich in allen Belangen!

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