Wozu diese Geheimniskrämerei?

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20. Mai 2026 – Der 31. März ist ein wichtiger Tag für eine Schule: Bis dann entscheidet sich, wie viele Lehrpersonen ihr den Rücken kehren werden. Im Rüterwis fehlt es dazu an transparenter Kommunikation. Nach wie vor rätseln Eltern und selbst Lehrpersonen, wer geht und wer bleibt.

Rüterwis: Wer bleibt, wer geht? (Foto: ZN)
Rüterwis: Wer bleibt, wer geht? (Foto: ZN)

VON BARBARA LUKESCH

Am Tisch sitzt die Co-Schulleitung, bestehend aus Sabine Spahn und Oliver Suter. Normalerweise nimmt auch die Kommunikations-Verantwortliche Sonja Erni Platz, die jedes Schulinterview beaufsichtigt, aber diesmal passen muss. Stattdessen kommt der Leiter Bildung Urs Rechsteiner.

Die erste Frage nach der aktuellen Lage in der Schule Rüterwis lässt Oliver Suter richtiggehend sprudeln: «Es läuft gut, ja, sehr gut.» Man habe ein sehr motiviertes Team angetroffen, die Stimmung sei gut, das Arbeitsklima sei gut, das Team komme gut miteinander aus: «Die Leute haben uns sehr für sich eingenommen, was sich auch im Schulalltag fortsetzt.» Auf die Frage nach möglichen Baustellen fällt die Antwort etwas knapper aus. Es gebe keine, ausser jene, die zu einem normalen Schulbetrieb gehören. Auch Sabine Spahn hält die Situation für «optimal», man sei «sehr gut unterwegs».

Etwas harziger verläuft das Gespräch, als die Rede auf den 31. März kommt, jenes Datum, das für die Schule, die Eltern und die Kinder von grosser Bedeutung ist. Bis dann müssen nämlich alle Lehrpersonen, die die Schule verlassen wollen, ihre Kündigung bei der Schulleitung deponiert haben. Das Interview findet am 4. Mai statt, also mehr als einen Monat nach diesem wichtigen Termin.

Bislang gibt es noch keine offizielle Verlautbarung zum Thema. Eltern rätseln nach wie vor, ob ihr Kind nach den Sommerferien einen neuen Lehrer bekommt oder nicht. Immer mehr Gerüchte machen die Runde und führen zu Verunsicherung. Schliesslich ist die Klassenlehrperson einer der wichtigsten Menschen im Leben eines Kindes. Aber auch die Logopädin oder die Fachlehrperson in der Musikschule spielen für viele eine grosse Rolle.

Spekulationen – und keine klaren Antworten

Um so gespannter ist man nun auf die entsprechende Auskunft. Diesmal übernimmt der Leiter Bildung und schlägt eine überraschende Volte: «Wir nehmen die gesamte Schule Zollikon in den Fokus, also Rüterwis, Oescher und Buechholz, und da hatten wir 17 Kündigungen.» Man reibt sich die Augen und staunt: Was soll diese Geheimniskrämerei? Es heisst schon länger, im Zollikerberg hätten 10, ja, vielleicht sogar 12 bis 15 Lehrpersonen gekündigt. Rechsteiner wiegelt ab, ohne allerdings eine präzise Antwort zu geben.

Da liegt es auf der Hand, die Schulleitungen vom Oescher und Buechholz zu kontaktieren. Nach Aussagen beider habe es an den Schulen je eine Kündigung gegeben. Dann hätte es also im Rüterwis tatsächlich 15 Kündigungen gegeben? So könne man nicht rechnen, heisst es. Man müsse differenzieren zwischen Kündigungen, Pensionierungen und der Auflösung befristeter Anstellungsverhältnisse. Die Verwirrung wird immer grösser. Der mehrmalige Versuch, von Rechsteiner eine klare Antwort zu bekommen, scheitert. Er rückt partout nicht mit den Zahlen heraus, ja, nicht einmal mit der Definition, was er denn nun unter einer Kündigung verstehe. So viel zur Beteuerung der Schule Zollikon, künftig transparenter zu informieren.

Interessant auch, dass es unter den Schulleitungen von Berg und Dorf, anders als früher, keinen Austausch mehr über dieses relevante Thema gibt. Damals gehörte es schon fast zur Routine, einander bereits im Januar mitzuteilen, mit wie vielen Abgängen man rechne. Dies im Sinne der Prävention für die Gesamtschule, um auf grössere Kündigungswellen besser vorbereitet zu sein.

Dass diese Intransparenz kontraproduktiv ist, zeigt sich auch im Gespräch mit betroffenen Eltern und Lehrpersonen. Dabei wird klar, dass es sehr wohl Baustellen im Rüterwis gibt. Beklagt werden unter anderem zu grosse Klassen mit bis zu 24 Knaben und Mädchen, die vor allem dann zum Problem werden, wenn sich darunter mehr als ein Drittel Kinder mit besonderen Bedürfnissen befinden, was im Rüterwis der Fall ist. Dazu komme, dass die Zahl der Schulassistenzen, die gerade in diesen Fällen wichtige Aufgaben erfüllen, reduziert werde. Abgesehen davon, dass es weitherum, nicht nur im Rüterwis, an Fachlehrpersonen in Bereichen wie Logopädie und Psychomotorik fehle.

Die Folge sei grosse Unruhe in den Schulzimmern, strapazierte Lehrpersonen, die an die Grenze eines Burnout kommen und sich krankschreiben lassen. Oder sich veranlasst sehen, die Übernahme grosser Klassen abzulehnen. Oder sogar laut über eine Kündigung nachdenken.

Grossklassen statt Penalty

Ein Fall, der bei Eltern und Lehrpersonen für viel Aufregung sorgte, betrifft die Situation innerhalb der 3. beziehungsweise künftigen 4. Klassen. Bis anhin leistete man sich, so Rechsteiner, «den Luxus und führte drei Klassen: zwei mit je 19 Kindern und eine mit 12 Kindern». Gemäss Auskunft verschiedener Lehrpersonen sei versprochen worden, dass man diese Lösung beibehalten werde. Doch nun kommt es anders: Künftig werden nur noch zwei Grossklassen geführt. Schon früh habe das Volksschulamt VSA mitgeteilt, dass beim Wechsel in die 4. Klasse keine drei kleinen Klassen mehr bewilligt würden. Da die gesamte Schule Zollikon ab August 30 Kinder weniger haben werde, habe man diese Einbusse hinnehmen müssen.

Fragt man die Leiter Bildung anderer Schulen, ob die Entscheide des VSA tatsächlich sakrosankt seien und widerstandslos hingenommen werden müssten, schütteln sie den Kopf. Es gebe durchaus die Möglichkeit, auf einen Beschluss zurückzukommen und eine Planänderung zu bewirken: «Dazu braucht es allerdings einen gewissen Effort.» Rechsteiner will davon nichts wissen. Man könne die einzelnen Gemeinden nicht miteinander vergleichen, und wer dieses Jahr «ins Übermass geht, kassiert dafür im nächsten Jahr einen Penalty».

Auf die Frage, wie viele Stellen im Rüterwis nach wie vor offen seien, sagt Oliver Suter: «Keine». Die ungelöste Situation innerhalb der Logopädie lässt er dabei grosszügig weg. Die Schule verbreitet Optimismus, was sich auch in den geradezu poetischen Inseraten niederschlägt, mit denen sie nach Lehrpersonen sucht: «Hast du Lust, an bester Lage an bester Bildung mitzuwirken? Dann bist du bei uns goldküstenrichtig.»

«Auf hohem Niveau» – oder doch nicht?

Nun ist das Rüterwis jene Schule, die schweizweit mit einer nahezu einzigartigen Kündigungswelle zu kämpfen hatte und innert kurzer Zeit mehrere Schulleitungswechsel verkraften musste. Unter Fachleuten gilt es als ausgemacht, dass eine solche Krise fünf bis sieben Jahre nachwirkt, bis eine Schule wieder auf Kurs ist. Schenkt man den Verantwortlichen Glauben, haben sie im Rüterwis das Rad offenbar deutlich schneller herumreissen können.

Suter sagt, das sei gar nicht nötig gewesen: «Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns hier oben auf hohem Niveau bewegen und sehr konstruktiv mit dem Team zusammenarbeiten können. Der Geist, der hier oben schon immer geherrscht hat, ist immer noch da, auch wenn ein paar Lehrer weg sind.» Eine ziemlich saloppe Formulierung angesichts der Tatsache, dass damals mehr als die Hälfte aller Lehrpersonen gekündigt hatten.

Sabine Spahn betont, dass sie eine «starke Präsenzkultur» leben würden – von morgens um 7 bis abends um 19 Uhr. Ihre Türen seien immer offen: «Wer ein Problem hat, findet bei uns immer ein offenes Ohr.»

Nicht ganz so euphorisch klingt es, wenn man mit Lehrpersonen über die Stimmung im Haus spricht: «Die Schule Rüterwis hat überhaupt keinen Geist mehr», lautet eine Aussage. Eine andere Person konstatiert, dass sich die Schulleitung fast nie im Lehrerzimmer zeige, weder in der 10 Uhr-Pause noch über Mittag. Eine dritte erzählt vom verzweifelten Versuch, sich Gehör bei einem sie stark belastenden Problem zu finden. Nach monatelangem Warten sei sie schliesslich vorgelassen worden. Noch habe sie den Glauben nicht verloren: «Das kann ja noch besser werden.»

Immerhin stimmt offenbar die Chemie zwischen der neuen Schulleitung und dem Leiter Bildung. Sabine Spahn wird das Bonmot «auf Kurs mit Urs» zugeschrieben.

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