Ein Held, der an Forrest Gump erinnert

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Balz Spörri: «Es fällt in diesen düsteren Tagen nicht leicht, frohgemut durchs Leben zu gehen. Da kommt der Roman «Kalmann und der schlafende Berg» gerade recht. Geschrieben hat ihn der Bündner Joachim B. Schmidt, der 2007 nach Island auswanderte und heute (…) (1 Kommentar)

VON BALZ SPÖRRI

Es fällt in diesen düsteren Tagen nicht leicht, frohgemut durchs Leben zu gehen. Da kommt der Roman «Kalmann und der schlafende Berg» gerade recht. Geschrieben hat ihn der Bündner Joachim B. Schmidt, der 2007 nach Island auswanderte und heute mit seiner Familie in Reykjavik lebt.

Erzähler und zugleich Hauptakteur ist Kalmann Óðinsson, der in Raufarhöfn, einem Kaff ganz im Norden Islands, lebt. Kalman ist Mitte dreissig, schrullig, liebt Gammelhai – und ist geistig etwas zurückgeblieben. Er brauche länger als andere, um eins und eins zusammenzuzählen, sagt er von sich.

Es passiert nicht viel, im Winter in Raufarhöfn: «Die Tage fielen vom Kalender wie Fische vom Förderband, filetiert und sortiert, verpackt und weg damit!»

Doch dann meldet sich Ende des Jahres 2020 wie aus dem Nichts heraus Kalmanns leiblicher Vater, ein ehemaliger US-Soldat, der einst in Island stationiert war, und lädt ihn zu sich in die USA ein. So reist Kalmann über die Feiertage in die amerikanische Provinz, wo er herzlich begrüsst wird, zumal er hervorragend schiessen kann. Seine neue Familie nimmt ihn mit zu einem fröhlichen Ausflug nach Washington, der in einem wilden Tumult endet, als Hunderte von anderen, ebenfalls nach Washington gereisten und offensichtlich sehr wütenden Leuten ein grosses Gebäude mit Kuppeldach stürmen.

Kalmann geht in der Menge verloren, wird vom FBI festgenommen und in den Flieger nach Island gesetzt. Beim Verhör erfährt er zuvor aber noch, dass sein gerade verstorbener Grossvater in den Akten des FBI als sowjetischer Spion aufgeführt ist.

Zurück in Raufarhöfn setzt sich Kalmann deshalb seinen Cowboyhut auf, steckt die Sheriffnadel an die Brust und beginnt zu ermitteln, was es mit der Vergangenheit des Grossvaters und dessen plötzlichem Tod auf sich hat. Dabei wird es ziemlich brenzlig für ihn. Doch was soll’s? Kalmann ist schliesslich der Sheriff von Raufarhöfn.

Schmidts Roman ist eine skurrile, manchmal auch ein bisschen verzettelte Mischung aus Forrest Gump, Schelmenroman und Krimi mit einem liebenswerten Helden. Kalmanns einfache Lebensweisheiten gehen direkt ins Herz. Eine davon mag vielleicht sogar ein wenig über die düsteren Zeiten hinwegtrösten: «Das Leben ist ein Boot auf den Wellen. Es geht mal rauf, mal runter.»

Joachim B. Schmidt, Kalmann und der schlafende Berg, Diogenes Verlag, 304 S., 32 Fr.

Balz Spörri (geb. 1959) lebt als Journalist und Autor in Zürich. Er berichtet in den «ZollikerNews» auch regelmässig aus der «Bunten Welt der Studien».

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