Hauptspeisen top, Dessert flop

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25. März 2022 – Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: das Restaurant «Trichtenhausermühle» wird im Frühling 2023 seinen Betrieb ziemlich sicher einstellen; die Besitzer hegen Umbaupläne. Grund genug für uns, dem Traditionshaus einen Besuch abzustatten.

Rindsfilet Bearnaise
Rindsfilet Bearnaise mit Zutaten (Fotos: rs)

Die NZZ schrieb im Januar 2018, das Gasthaus im Wehrenbachtobel sei ein «Hort der Beständigkeit». Und das sei gut so. Der Titel der Kolumne lautete: «Was bleibt». Das ist inzwischen die grosse Frage. Das Restaurant wohl nicht. Es könnten Wohnungen entstehen.

Wir reservieren an einem Dienstag um 19 Uhr zwei Plätze in der Gaststube. Das wäre nicht nötig gewesen, sind um diese Zeit doch nur drei weitere Tische besetzt. Das Servierpersonal, eine Frau und ein Mann, begrüsst uns ausgesprochen freundlich und – das sei vorweggenommen – begleitet uns während der nächsten zwei Stunden auf ebenso angenehme Art.

Die Speisekarte umfasst Klassiker vom Entrecôte Café de Paris über «Zürigeschnätzlets mit Röschti» bis hin zu verschiedenen Cordon Bleu-Varianten. Dazu wird bis Ende März eine reiche Auswahl an Fischgerichten serviert: Thunfischcarpaccio, Jakobsmuscheln, Heilbutt-Saltimbocca mit Safranrisotto und Broccoli und vieles mehr.

Ich entscheide mich für die pochierten Rotzungenfilets an einer Sauce Hollandaise, Spinat und Reis (37 Franken), mein Mann wählt das 180 g schwere Rindsfilet Bearnaise mit Pommes Frites und Gemüse (49 Fr.). Zur Vorspeise nehmen wir einen gemischten Salat (10 Fr.) und einen Nüsslisalat Mimosa (12.50 Fr.), beide mit French Dressing.

Bei den Salaten fällt unsere Reaktion durchzogen aus: Der Nüsslisalat mit dem fein geschnittenen Ei schmeckt gut. Mein gemischter Salat ist zwar vielfältig, ertrinkt aber in einem Zuviel an französischer Sauce, die mich zu allem hin nicht restlos begeistert.

Dafür erfüllen die beiden Hauptgerichte all unsere kulinarischen Wünsche: die Sauce Hollandaise passt wunderbar zu meinem auf den Punkt gegarten Fisch, der Spinat ist schmackhaft, der Reis ein diskreter Begleiter.

Die Pommes Frites meines Mannes und seine Sauce Bearnaise sind so gut, dass ich versucht bin, immer wieder in seine Schälchen zu langen. Das Fleisch, so tut er zwischen zwei Bissen kund, sei eine Wucht. Aussen kross und innen saftig: «Exakt medium gebraten, wie ich es mir gewünscht habe.» Das Gemüsebouquet ist so reichhaltig, dass ich mir vielleicht nicht alles gemerkt habe: rote und gelbe Rüebli, Broccoli, Blumenkohl, Sellerie, Zwiebeln, Fenchel, in Speck gewickelte Bohnen. Alles? Auf jeden Fall schmeckt alles fein.

Das Dessert, ein Erdbeer-Tiramisu (11 Fr.), das uns als Vorbote des Sommers angekündigt wird, ist leider eine Enttäuschung. Da stecken viel zu trockene Löffelbiscuits in viel zu viel Mascarpone, von Erdbeeren keine Spur. Die lieblos an den Rand des Tellers gelegten drei, vier Scheibchen zählen jedenfalls nicht. Enttäuscht fragen wir uns, wo die göttliche Feuchtigkeit der mit einem passenden Schnaps beträufelten Löffelbiscuits geblieben ist. Die sanfte Sämigkeit einer gut dosierten Mascarpone-Crème. Da ist noch Luft nach oben.

Tiramisu mit Erdbeeren
Erdebeer-Tiramisu

Mit dem Wein, einem Ripasso (6.50 Fr./dl), sind wir zufrieden, auch die Espressi, die mit einem Caramel-Guetsli gereicht werden, munden.

Wenn wir noch etwas wünschen dürften, wäre es etwas mehr Abwechslung bei der Wahl der Farben. Da liegen bleiche Tischsets auf einem beigen Stofftuch. Auf einem gläsernen Teller versuchen sich der weisse Fisch, weisser Reis und hellgelbe Sauce bemerkbar zu machen, während der dunkelgrüne Spinat schon fast ungebührlich ins Auge sticht. Auf dem weissen Teller meines Mannes ringen hellgelbe Pommes Frites, von Sauce Bearnaise bedecktes Fleisch und mehrheitlich helle Gemüsestückchen um Aufmerksamkeit. Das ist schade – schliesslich essen wir doch auch mit den Augen. (bl)

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Ist das ein 1. April-Scherz? Wohnungen an dieser Schattenlage? Und dieses Restaurant hat eine lange Tradition und sollte nicht geldgierigen Eigentümern geopfert werden. ZOLLIKER GEHT AUF DIE BARRIKADEN UND VERHINDERT DAS! Wenn ich wieder einmal in die Schweiz reise, möchte ich dort wieder essen gehen. Mein Freund Max Häusermann (wohnt jetzt in Chiang Mai Thailand) ist ob dieser Meldung auch entsetzt und kann es nicht glauben !

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