«Ich funktioniere wie ein Uhrwerk»

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18. März 2024 – Giovanni Marti, 52, war Radio 24-Reporter, FCZ-Pressechef, Fifa-Sprecher und arbeitet heute für das Fifa-Museum. Entdeckt wurde sein Talent, als er als junger Moderator jahrelang durch die Mini-Playback-Show am Grümpi führte.

Giovanni Marti
Giovanni Marti (Illustration: Willi Spirig)

Die erste Stunde des Tages gehört mir ganz allein. In der Regel stehe ich zwischen sechs und sieben Uhr auf, dusche, stutze mir den Bart etwas, ziehe mich an und prüfe, ob alles sitzt und zusammenpasst.

Ja, ich bin schon etwas eitel. Tatsächlich. Seitdem ich meine Ernährung im Juni vergangenen Jahres komplett auf den Kopf gestellt habe – völlig gesund statt ungesund, wenig statt viel – frühstücke ich sehr bewusst. Nichts mehr von wegen Gipfeli und Red Bull! Nein, heute kommen mal Magerjoghurt und dunkles Proteinbrot, dann wieder Früchte und Avocados oder auch mal ein Stück Käse auf den Tisch.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 27 Kilogramm weniger, ein Gewicht im zweistelligen und nicht länger im dreistelligen Bereich und zwei bis drei Kleidergrössen kleiner. Das erfüllt mich wirklich mit Stolz. Wenn ich weitere sechs bis sieben Kilo runterbringe, habe ich mein Idealgewicht erreicht. Die Zeit, in der ich fast keine Luft mehr beim Treppensteigen bekommen habe, ist vorbei. Jetzt springe ich die Treppen leichtfüssig hinauf, was ich mir niemals zu träumen gewagt hätte.

Während der Autofahrt von Pfäffikon im Zürcher Oberland nach Zürich-Enge, ins Fifa-Museum, seit September 2023 mein Arbeitsplatz, passiert folgendes: ich denke nach, plane den Tag und treffe bereits viele Entscheidungen. Das ist ganz wichtig für mich, weil ich im Büro non-stop auf hohen Touren laufe. Ständig am Telefon, eine Sitzung jagt die nächste, Interviews und Beziehungspflege mit Medienschaffenden aus aller Welt, Projekte entwerfen und begleiten.

Aktuell bereiten wir zum Beispiel die Museumsaktivitäten für das 120 Jahre Fifa-Fest im Mai dieses Jahres vor. Dazu sind wir an der Organisation der dritten internationalen Museumskonferenz, wo sich Museen aus Sport und Kultur austauschen werden, diesmal im Herbst in New York, nachdem wir pandemiebedingt die ersten beiden Ausgaben online durchführen mussten. Oft haben wir auch prominente Gäste im Museum wie jüngst den ehemaligen deutschen Nationalgoalie Oliver Kahn, die ich empfange, aber auch mit interessierten Journalisten vernetze. Veranstaltungen mit ehemaligen Fussballern und Fussballerinnen machen mir besonders viel Spass, weil ich so mit diesen Sportgrössen in Kontakt komme.

Den Mittag verbringe ich meistens mit fünf, sechs Leuten der Kommunikationsabteilung in unserer hauseigenen Kantine: Gemüse, Fisch, etwas Fleisch. Da bin ich eisern. Zwischendurch darfs zwar auch mal ein Schöggeli sein, aber nicht mehr als alles in allem 2500 Kalorien pro Tag. Mit meinen Kollegen rede ich gerne über Privates, wir tauschen uns aber auch über Berufliches aus, wenn etwas ‹brennt›.

Der Nachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag. Meine Maschine läuft; ich funktioniere wie ein Uhrwerk. Ich bin ein sehr pflichtbewusster Mensch, grosszügig, mit einem Riesenherzen und kann nicht gut nein sagen. Blauäugig bin ich trotzdem nicht, dazu habe ich eine viel zu gute Menschenkenntnis. Eine Folge von mehr als 30 Jahren im Sport- und Medienbusiness.

Wenn ich zwischen 18 und 18.30 Uhr das Haus verlasse, ist mein Tag noch lange nicht vorbei. Denn ich bin auch noch Sportchef in einem Unihockey-Klub in Rüti, den Floorball Riders, einem Nati A-Damenteam. Dort habe ich es zum Teil mit halben Profis zu tun und muss Verträge mit den Spielerinnen abschliessen oder – wie jüngst geschehen – die Trainer auswechseln. Bis vor kurzem war ich auch noch für ein 1.Liga-Team im Zürcher Oberland verantwortlich. Da konnte es passieren, dass ich in zwei Klubs am selben Abend gebraucht wurde.

Darüber hinaus bin ich seit 23 Jahren Speaker beim ZSC. Dieser Job erfüllt mich mit Stolz, denn ich werde reich beschenkt mit Wertschätzung und habe viele Freundschaften fürs Leben geschlossen. Kürzlich hatte ich gerade die erste Mannschaft bei uns im Fifa-Museum auf Besuch.

Die neue Eishalle in Altstätten ist so etwas wie mein Kind. Ich habe sowohl die Grundsteinlegung moderiert wie auch zahlreiche Baustellenführungen durchgeführt. Führungen durch die Halle leite ich heute noch.

Natürlich mache ich viel, manchmal auch zu viel. Aber an den Abenden mit dem ZSC oder auch mit meinen Unihockey-Mannschaften lade ich meine Batterien auf und tanke Energie. Diese Engagements darf man mir nicht nehmen; sonst wäre ich wirklich unglücklich.

Das Nachtessen habe ich ersatzlos gestrichen, und auf Alkohol verzichte ich auch seit dem Juni vergangenen Jahres. Gut, ich gebe zu, den feinen roten Malbec vermisse ich schon etwas. Egal, das muss jetzt sein.

Meistens wird es 22.30 Uhr oder später, bis ich zuhause bin. Dann muss ich erst mal runterfahren. Fernsehen schauen und mich informieren. Ich interessiere mich über den Sport hinaus für ganz viele Sachen. Seit der Pandemie, die mir echt eingefahren ist – nicht körperlich, mehr psychologisch, wow, plötzlich stand die Welt still –, verschlinge ich alles zu Medizin- und Gesundheitsthemen. Natürlich will ich auch wissen, wie sich die Weltlage entwickelt, obwohl mir das politische Geschehen in Europa und dem Rest der Welt seit einiger Zeit grausam zusetzt und Angst macht. Zwischen Mitternacht und spätestens 2 Uhr lösche ich das Licht. Müde, wie ich bin, schlafe ich wie ein Stein.

An den Wochenenden läuft alles etwas anders. Für die vielen Aktivitäten, die ich unter einen Hut bringen möchte, muss man schon ein Planungskünstler sein. Oft stehen natürlich Eishockey- oder Unihockeyspiele auf dem Programm, manchmal gehe ich auch an einen FC Zürich-Match, auch an die Spiele der Frauen. Der FCZ ist jener Fussballklub, dem ich mich nach den vielen Jahren als Pressechef immer noch total verbunden fühle.

An jedem zweiten Wochenende habe ich meinen fast zehnjährigen Sohn Tiago und meine siebenjährige Tochter Alessia bei mir in Pfäffikon. Seit der Scheidung vor zwei Jahren läuft das gut, dann ist natürlich Kinderprogramm angesagt. Wobei beide sportbegeistert sind, Tiago spielt Unihockey und Alessia tanzt, so dass ich sie auch mal in irgendeine Halle mitnehmen kann. Wenn wirklich mal nichts ansteht, schlafe ich richtig lang aus. Das kann ich nämlich extrem gut.»

Donnerstag, 21. März, Café am Puls im ref. Kirchgemeindehaus Zollikerberg. Ab 18 Uhr gibt es Suppe und Fleisch-Käse-Plättli. Der Talk beginnt um 19.30 Uhr.

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