«Ich würde gerne selber am Hof leben»

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21. April 2023 – Das Publikum erlebte im gestrigen «Talk am Puls» ein Feuerwerk an Emotionen. Die Zolliker People-Journalistin Flavia Schlittler war beim Thema der britischen Royals ganz und gar in ihrem Element. Sie verriet, dass sie am liebsten selber am Königshof leben würde.

«Es wäre doch wahnsinnig schön und komfortabel, im Buckingham-Palace zu leben», sagte Flavia Schlittler auf eine entsprechende Frage von Barbara Lukesch («ZollikerNews»). «Man müsste nie überlegen, ob man eine Rechnung bezahlen kann, könnte sich sein Auto waschen lassen, hätte jederzeit einen Termin beim Coiffeur und jede Menge Privilegien – was möchte man mehr?»

Als Mädchen habe sie davon geträumt, eine Prinzessin zu sein. Sie sei mit ihren Eltern nach Monaco gereist, habe vor dem Palast gestanden und ein Auto mit abgedunkelten Scheiben gesehen, hinter denen sich sicher ein Mitglied des Fürstenhauses befunden habe. Ihrer Mutter habe sie noch vor Ort das Versprechen abgenommen, sie wie die monegassische Prinzessin Stephanie zu erziehen – «dabei hatte ich doch keine Ahnung, wie dieses Kind erzogen wird».

Insider-Infos, Recherchen und Storytelling

Flavia Schlittler verstand es, das Publikum im Café am Puls in ihren Bann zu ziehen: mit ihrer offenen Art, ihren lebendigen Schilderungen und ihrer echten Begeisterung für ihren Beruf als People-Journalistin. Wie sie denn zu ihren Informationen über die doch sehr diskreten Königshäuser komme?, fragte Barbara Lukesch.

Zum einen profitiere sie immer wieder von Insider-Wissen, sagte Flavia Schlittler und gab ein Beispiel: Am kommenden 7. Mai, dem Tag nach der Krönung von Charles und Camilla in der Westminster Abbey in London, bekomme das Volk traditionell etwas zu essen, diesmal eine Quiche. An dieser Wahl habe es Kritik gegeben, was natürlich eine gute Boulevard-Geschichte sei. Sie habe mit dem Schweizer Starkoch Anton Mosimann gesprochen, dem die Queen 2004 für seine Verdienste um die britische Gastronomie den «Order of the British Empire» verliehen habe. Er habe die Menüwahl verteidigt. Mosimann sei «sehr nahe am Königshaus» und als Experte ein sicherer Wert.

Darüber hinaus gehe es um journalistische Handwerk: Recherchieren, Berichte vergleichen und dann – für ein Boulevardmedium besonders wichtig – Storytelling. «Aus welchem Fokus erzähle ich eine Geschichte? Mache ich eine Story über die Frau oder über den Mann? Oder wähle ich einen historischen Ansatz, zum Beispiel ‹den Fluch der Monegassen›?»

Wie sie ihre Geschichten denn auswähle, wollte Barbara Lukesch wissen. Man müsse Menschen mögen und möglichst nahe an ihnen dran sein. Es müsse sich um Menschen handeln, die breit interessieren, die Emotionen wecken und polarisieren, und die müssten auch im Zeitalter von Social Media keineswegs immer jung sein.

Kürzlich habe sie ‹Hausi› Leutenegger (Jg. 1940) zum Niedergang der Credit Suisse befragt. «Der ‹Hausi› ist eine Figur, man kann ihn immer anrufen, die Leute lieben ihn.» Er sagte, er habe auch CS-Aktien gehabt «und damit einen Porsche verloren», aber das könne er verschmerzen. Ihm täten die Menschen leid, die mit dem Niedergang der Bank einen Teil ihrer Altersvorsorge verloren haben, und ihn ärgere, dass die Manager ihre Boni nicht zurückgeben – «das war sehr sympathisch, einerseits sagte er damit, dass er selber genug Geld hat, ohne damit zu prahlen, dass er aber auch viel Verständnis für die Nöte jener aufbringt, die weniger haben. Das ist so nahe an den Leuten, sie lieben ‹Hausi›.»

Die Faszination der Königshäuser

Es sei doch einigermassen erstaunlich, dass ganz gewöhnliche Menschen so fasziniert seien von Königshäusern. Woran denn das liege? Auch das erklärte Flavia Schlittler an einem Beispiel.

Manuela, eine junge Frau, sei etwas unglücklich mit ihrem Leben, sie sitze beim Coiffeur und lasse sich «für 30 Franken ein Frisürli machen». Manuela findet eigentlich alles blöd, «ihr Johnny nervt, sie langweilt sich und blättert in einem Heftli, sieht, wie die Royals leben, alles schöne, reiche, erfolgreiche Menschen – und liest plötzlich, dass sie verlassen oder betrogen werden, sich scheiden lassen, obwohl sie doch eigentlich alles haben, was man sich wünschen kann».

Manuela erkenne, dass vieles Fassade sei, und dass sie es selber eigentlich gar nicht so schlecht habe: «Mein Johnny hat mich immerhin noch nie betrogen.» Sie komme zum Schluss, dass sie eigentlich doch nicht tauschen möchte mit den Royals, «plötzlich findet sie ihr Leben doch nicht mehr so blöd». Das sei doch ein schöner Effekt eines Boulevard-Stoffes.

«Geschichten», resümiert Flavia Schlittler, «sind für mich alles. Ich bin glücklich, dass ich sie seit 19 Jahren schreiben kann, dass sie erscheinen und dass ich meine zweiminütige TV-Sendung ‹Glamour & Gossip› habe – es gibt nichts Lebendigeres als Menschen und ihre Geschichten.» Grosser Applaus am Ende der Veranstaltung. (rs)

Am Donnerstag, 11. Mai, ist Dennis Bühler zu Gast im «Talk am Puls». Er gehört zu den kritischen und hartnäckig recherchierenden Schweizer Journalisten. Seit 2018 ist er Bundeshaus-Korrespondent der Online-Zeitung «Republik». Mit Barbara Lukesch spricht er über seinen speziellen Werdegang, seine Berufung und seine vielfältigen Engagements, unter anderem auf dem Gebiet der Medienethik. Hier geht es zum Porträt von Dennis Bühler: «Fest im Griff der Medien.»

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